29.11.2019

Oberfränkische Wirtschaft spürt aktuelle Trends auf

IHK und Wirtschaftsjunioren gehen der Frage nach, wie wir in Zukunft arbeiten
 

Bereits zum zweiten Mal fand das Trend- und Impuls-Event work.new.now statt, das die IHK für Oberfranken unter Mitwirkung der Wirtschaftsjunioren Oberfranken realisiert, diesmal im IISYS an der Hochschule Hof. "Wir sind dabei den Fragen nachgegangen, wie wir in Zukunft arbeiten, welche Kompetenzen Arbeitnehmer in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung brauchen, wie sich die Unternehmens- und Führungskultur im digitalen Zeitalter ändert und ob ein Umdenken erforderlich ist im Personalmarketing", fasst IHK- Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner die Inhalte zusammen.
Transformation, Digitalisierung und die Formen der künftigen Arbeit gehören zu den Themen, die die oberfränkischen Unternehmer besonders bewegen. "Deshalb wollen wir als IHK unseren Mitgliedsunternehmen mit Veranstaltungen wie work.new.now Hilfestellungen an die Hand geben", antwortet Hohenner im Begrüßungstalk auf die Frage nach den Trends in der Arbeitslandschaft. Aus Sicht von Prof. Jürgen Lehmann, dem Präsidenten der Hochschule Hof, müssen Prozessdenken und Projektmanagement vorangebracht werden. "Wir müssen auch an den hierarchischen Strukturen arbeiten, die oft nicht mehr zeitgemäß sind." Dem schließt sich Dominik Weiß an, Regionalsprecher der Wirtschaftsjunioren Oberfranken: "Die Welt ist nicht mehr dieselbe wie vor zehn Jahren. Unsere Führungsstile basieren jedoch weiterhin auf Erkenntnissen, die mindestens doppelt so alt sind. Hier gibt es eine Menge zu tun."
Hilfe, mein Schreibtisch ist weg!
Mitarbeiter ohne feste Arbeitsplätze mit Vertrauensarbeitszeit und -ort, verknüpft mit der entsprechenden IT-Infrastruktur: "Das ist kein Science Fiction-Scenario, sondern in etlichen Unternehmen bereits Realität", wie Jörg Wurzbacher von der Hofer Lansco GmbH in seinem Impulsvortrag "Hilfe, mein Schreibtisch ist weg?!" aufzeigt. Er skizziert am Beispiel seines Unternehmens, wie "Modern Workspace" umgesetzt wurde. Ausgangspunkt war, dass das eigene Unternehmen räumlich an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen war. Wurzbacher: "Die Mitarbeiter müssen unbedingt mitgenommen werden, sonst scheitert das Vorhaben schnell, hat es doch Einfluss auf Raum, Kultur, Technik und Denkweise. Aber auch wenn die Technik nicht funktioniert, ist das Projekt schnell zum Scheitern verurteilt."
Auf der Suche nach den Kompetenzen von morgen
Nach diesem Einstieg durch einen Praktiker folgt der wissenschaftliche Unterbau. Susanne Sczogiel von der Fraunhofer Arbeitsgruppe SCS stellt in ihrem Impulsvortrag "Zukunftskompetenzen für die Jobs von morgen" die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der IHKs in Bayreuth, Coburg und Nürnberg vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Tätigkeiten und Aufgaben von Mitarbeitern im kaufmännischen Bereich in den kommenden Jahren ändern werden. Bei der Zusammenstellung der künftig benötigten Kompetenzen lagen Unternehmer und die befragten Mitarbeiter von Unternehmen nahe beieinander. "Da sich Fachkenntnisse immer schneller ändern, nimmt die Methodenkompetenz in der Ausbildung eine immer größere Rolle ein und ist wichtiger als die Vermittlung von Fachkenntnissen", so Sczolgiel. Auch empfiehlt sie, die Ausbildung in den kaufmännischen Berufen künftig in eine Grundausbildung und eine darauf aufbauende Spezialisierung zu untergliedern.
Millennials für das eigene Unternehmen begeistern
"Wie können Sie Millennials in der digitalen Welt für Ihr Unternehmen begeistern?" Dieser Frage gehen Olivia Hofmann und Patricia Knoll von der Jobtrüffel GbR in ihrem Impulsvortrag nach. Das Start Up-Unternehmen unterstützt Arbeitgeber bei der Ansprache potentieller Bewerber. Der Bewerber wird dabei zum Kunden, der Arbeitgeber zum Dienstleister. Hofmann: "Einige von Ihnen schauen etwas genervt: Soll ich als Arbeitgeber diesen Mehraufwand betreiben, wenn sich die Bewerber selbst offenbar immer weniger bemühen?" Will man sich von der Konkurrenz absetzen, sei dies unbedingt erforderlich, so Knoll. Alle erfolgreichen Webseiten und Apps sind nach dem gleichen Prinzip gestaltet, nämlich maximal kundenzentriert. Knoll: "Wer etwa einen Flug bucht, möchte nicht groß recherchieren, sondern alle Informationen auf Knopfdruck gut aufbereitet vorfinden."
Durch diese digitale Emanzipation sind Bewerber kritisch, erwarten Einfachheit und guten Service auf allen Kanälen. Zeitgemäße Kommunikation mit Jobsuchenden bedeutet etwa einen Verzicht auf längere Fließtexte, die Nutzung von Icons und kurzen Image-Videos, aber auch von Fotos, die konkret zeigen, wie das Arbeitsleben im Unternehmen aussieht. Hofmann: Von potentiellen Arbeitgebern wird dabei eine große Transparenz erwartet.
Im Anschluss entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. So wurde die Frage gestellt, ob ein Unternehmen wirklich nur noch "oberflächliche Mitarbeiter" einstellen will, die nicht mehr in der Lage seien, fünf Seiten am Stück zu lesen. "Wenn sich ein Bewerber nicht für mein Unternehmen interessiert, interessiert er sich dann eigentlich für meinen Kunden?" fragt ein Personaler nicht zu unrecht. Sczogiel verweist darauf, dass sich kleinere Informationshappen schneller aufgreifen lassen. Wurzbacher bricht eine Lanze für die Millennials: "Bei der heutigen Informationsflut lassen sich Informationen oft gar nicht mehr anders bewältigen." Er stellt aber auch fest, dass eine Kommunikation immer schwieriger werde, etwa weil viele Bewerber E-Mails nur noch in Ausnahmesituationen nutzen."
Das Thema "Mobile Office" verunsichert viele Unternehmensvertreter. Einig sind die Experten, dass mobiles Arbeiten nicht als Belohnungstool geeignet sei. Auch bietet es sich nicht für jede Tätigkeit an. Die Erfahrungen etwa von Wurzbacher sind positiv. "Ich habe eher das Problem, dass Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten, zu viel arbeiten."
Nachdem bei den ersten beiden Veranstaltungen von work.new.now kaufmännische Berufe im Mittelpunkt standen, kündigt Hohenner für die Veranstaltung 2020 an, den Schwerpunkt auf gewerblich-technische Berufe zu setzen. "Dort sind die Rahmenbedingungen schließlich ganz andere."