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Home> International> 20 Jahre Bayerisches Wirtschaftsarchiv

„Eine Zukunft für die Vergangenheit“
Das Bayerische Wirtschaftsarchiv feiert sein 20-jähriges Bestehen

Reisepass für den Hafnergesellen Xaver Mittermayer, 1. Juli 1825
Bildnachweis: Bayerisches Wirtschaftsarchiv

„Alter: 18 Jahre, Größe: 5 Fuß 3 Zoll, Haare: braun, Stirne: hoch, Augen: grau, Nase: dick“. Diese genaue Beschreibung anstelle eines Passfotos stand im Reisepass, den 1825 die „Polizey“ des Königreichs Bayern für den Hafnergesellen Xaver Mittermayr ausgestellt hatte, der als Töpfer und Ofenbauer unterwegs war. Zusammen mit anderen wertvollen historischen Dokumenten aus der Überlieferung des familieneigenen Unternehmens, der Münchner Hafnerei Mittermayr, vertraute die Schauspielerin und Grimmepreisträgerin Michaela May diese Rarität dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv an. Ein Beispiel aus dem reichhaltigen Fundus des BWA, welches in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen mit einem Festakt und einer Ausstellung im Bayerischen Landtag feiert.

1994 hatten sich die Bayerischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) dazu entschlossen, gemeinsam ein regionales Wirtschaftsarchiv für ganz Bayern aus der Taufe zu heben. Die Bayerische Staatsregierung begrüßte diese IHK-Initiative zur Rettung, Sicherung und Erschließung von Archivmaterialien aus Unternehmen, Kammern und Verbänden. Bei der offiziellen Eröffnung am 21. Juni 1994 war der damalige bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu überzeugt: „Das Bayerische Wirtschaftsarchiv ist eine gute Sache!“ Dr.-Ing. Dieter Soltmann, seinerzeit Präsident der IHK für München und Oberbayern, unterstrich die kulturelle Verantwortung der bayerischen IHK-Organisation, historische Zeugnisse des bayerischen Wirtschaftslebens dauerhaft zu bewahren und „die Freiheit dieser Kulturgüter zu garantieren“.

Ohne Zahlen, Daten und historische Materialien wären die Dokumentation und die Analyse des „Bayerischen Wirtschaftswunders“ schlichtweg nicht möglich. Mit Hilfe konkreter Anschauungsstücke will das Bayerische Wirtschaftsarchiv die Wirtschaftsgeschichte unseres Landes transparent machen und zum Leben bringen. In den Jahren seines Bestehens konnte es inzwischen einen Quellenfundus im Umfang von mehr als 5.700 laufenden Regalmetern an historisch bedeutsamen und einmaligen Schrift-, Bild- und Tondokumenten zusammentragen. Die Palette reicht von der Brauereiwirtschaft über schwäbische Textilunternehmen bis hin zur fränkischen Chemieindustrie oder Betrieben des Maschinenbaus.

Die „Expeditionen“ in die bayerische Wirtschaftsgeschichte gestalten sich zum Teil sehr abenteuerlich. Taschenlampe und Stemmeisen sind unverzichtbare Hilfsmittel für die Archivmitarbeiter. Gerade im Bereich des Mittelstands sind selten Mittel für Archivspezialisten oder Magazinräume vorhanden. Wichtige Dokumente der Firmengeschichte führen daher häufig ein Schattendasein in Kellern oder Speichern. Und bei Insolvenzen oder Betriebsverlagerungen beginnt für die Archivmitarbeiter oft der Wettlauf mit dem Reißwolf. Dabei konnte so mancher Schatz vor dem endgültigen „Aus“ gerettet werden, so z.B. auch die historischen Geschäftsunterlagen und umfangreiches Bildmaterial der Buntweberei C. F. Seyffert in Naila, die 1891 mit 200 Webstühlen den Betrieb aufnahm und später zu den bekannten Bekleidungsgewebeherstellern in Deutschland zählte.

Bestückung einer Konusschermaschine mit Kunstseide bei der Buntweberei C. Seyffert in Naila, um 1960
Bildnachweis: Bayerisches Wirtschaftsarchiv

Das wertvolle Engagement der Bayerischen Industrie- und Handelskammern wäre nicht möglich ohne die Unterstützung eines gemeinnützigen Sponsorenvereins, denn das Bayerische Wirtschaftsarchiv arbeitet ohne öffentliche Mittel oder Zuschüsse. Dem Förderkreis Bayerisches Wirtschaftsarchiv e.V. gehören rund 200 Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten der Wirtschaft an.

Ansprechpartner für Ihre Fragen zum Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist in der IHK für Oberfranken Bayreuth International-Bereichsleiter Dr. Hans Kolb, der dem Archiv-Arbeitskreis seit Anbeginn angehört. Er ist u.a. auch der Verfasser der Bayreuther „IHK-Geschichte“ aus dem Jahre 1993 anlässlich des 150jährigen Bestehens der Kammer.

(Redaktion/Text von: Dr. Eva Moser)

Ansprechpartner

Cornelia Kern

Cornelia Kern


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Leiterin Referat EU-Fragen / Kooperationsprogramme
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Katrin Taepke

Katrin Taepke


Bereich International
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