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04.04.2019

Plädoyer für ein starkes Europa

Oberfränkische Institutionen bekennen sich zu mehr Zusammenarbeit

Die Europäische Union ist es wert, gestärkt zu werden. In einer Impulsveranstaltung mit dem Titel „Auf geht’s Europa!“, organisiert von den drei oberfränkischen Wirtschaftskammern, Oberfranken Offensiv und der vbw-Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in Oberfranken, zeigte sich in Bamberg deutlich, wie wichtig eine gemeinsame Vision von Europa ist und welche Vorteile die EU für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bietet. Gemeinsam gab man ein Bekenntnis für ein starkes Europa, für eine starke Europäische Union und für mehr Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ab. Vor allem die Jugend müsse man für die europäische Idee begeistern, zumal die Erfolge der Vergangenheit schnell in Vergessenheit geraten.

Staatsministerin Melanie Huml, Vorsitzende von Oberfranken Offensiv, zeigte auf, wie sehr Bayern und Oberfranken gerade im Bereich der Wirtschaft von einer starken EU profitieren. Andreas Starke, Bambergs Oberbürgermeister und Ratsvorsitzender der Europäischen Metropolregion Nürnberg, bewertete den europäischen Einigungsprozess der fünfziger Jahre und die partnerschaftliche Zusammenarbeit als hohes Gut für das man sich auf kommunaler, nationaler und supranationaler Ebene mit aller Kraft einsetzen müsse.

70 Jahre in Freiheit, Frieden und Wohlstand

„Dass wir hier seit über 70 Jahren in Freiheit, Frieden und Wohlstand leben, verdanken wir dem Zusammenschluss der europäischen Staaten in einer solidarischen Wertegemeinschaft“, fasste Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth, ihre persönliche Einschätzung zum Wert der EU zusammen. Diese Werte seien von großer Bedeutung und spielten für die Zukunft Europas auch weiterhin eine entscheidende Rolle. Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg und vbw-Geschäftsführer Patrick Püttner sprachen sich dafür aus, die EU als starke Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft zu erhalten und zukunftsorientiert Politik weiterzuentwickeln. Mit Blick auf den Brexit stellte Herdan die Rolle Großbritanniens als wichtiger Partner für Europa heraus und betonte: „Ich bitte doch sehr darum, die Briten so zu behandeln, wie man Freunde behandelt.“

Auch Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, verwies auf die deutlichen Vorzüge der Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Insbesondere das Recht der Freizügigkeit und der damit verbundene freie Austausch von Wissen und Menschen über die Grenzen hinweg sei eine Errungenschaft, die man nicht leichtfertig aufgeben dürfe. So findet seit über 60 Jahren ein Lehrlingsaustausch zwischen der Handwerkskammer und der südfranzösischen Partnerkammer in Carcassonne statt. Ohne ein gemeinsames Europa sind solche verbindenden Partnerschaften nicht möglich.

Mitbestimmung aktiv gestalten und Visionen entwickeln

Im Gespräch mit drei Europaexperten widmete sich der Moderator, Brüssel-Journalist Hajo Friedrich, den Fragen, wie es mit dem Brexit weitergehen könnte und wie im Hinblick auf die kommenden Europawahlen um die Teilhabe der EU-Bürger an den politischen Prozessen bestellt ist. Sowohl Joachim Menze, Vertreter der Europäischen Kommission in Bayern als auch Prof. Dr. Martin Schmidt-Kessel, Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches und Europäisches Verbraucherrecht an der Universität Bayreuth sehen im Austritt Großbritanniens ein Beispiel für die freiheitliche Entscheidung und Selbstbestimmung innerhalb der EU. Auf der einen Seite gelte es zwar den Zusammenhalt zu stärken, um auch für die Zukunft wirtschaftlich erfolgreich zu sein, dennoch sehe das demokratische Grundprinzip auch eigenständige Entscheidungen der Mitgliedstaaten vor.

Bei der Frage, wie viel Mitbestimmungsrecht die Bürger hätten, gibt es aus Sicht der Europaexperten genug Möglichkeiten, sich einzubringen. Allerdings müsse jeder Einzelne von sich aus die Initiative ergreifen. Augusto de Pellegrin, Eiskonditormeister und Geschäftsführer der „Sanremo“ Eisdiele und Kaffeerösterei in Kulmbach forderte: „Wir brauchen ein Europa, das die Courage hat sich zu öffnen und Visionen aktiv voranzutreiben. Wir brauchen Emotionen für den Gedanken von einem geeinten Europa und Menschen, die bereit sind, gemeinsam Lösungen zu finden und Kompromisse einzugehen“. Eine Vision von Europa entstehe nicht durch Regelungen und bürokratische Abläufe, sondern in den Herzen der Menschen.

Die Teilnehmer der Talkrunde sahen in der Europäischen Union den Grund für Frieden, aber auch wirtschaftlichen Erfolg und sprachen sich gemeinschaftlich für ein starkes Europa aus (v.r.n.l): Thomas Zimmer, Friedrich Herdan, Melanie Huml, Sonja Weigand, Andreas Starke und Patrick Püttner. Foto: Thorsten Ochs

Europaexperten im Gespräch (v.r.n.l.): Prof. Dr. Martin Schmidt-Kessel Augusto de Pellegrin, Joachim Menze.
Foto: Thorsten Ochs

Ansprechpartner

Wolfram Brehm

Wolfram Brehm


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Geschäftsführer Handelsausschuss, Tourismusausschuss und Ausschuss Standort Oberfranken
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