20.05.2020

IHK: Ausbildung weiterhin sehr wichtig

Auf einen unversorgten Bewerber kommen zwei unbesetzte Ausbildungsplätze

Die IHK für Oberfranken Bayreuth schätzt das große Engagement der Ausbildungsbetriebe in Zeiten der Krise. Trotz der schwierigen Situation stellt sich der Großteil der Ausbildungsbetriebe ihrer Verantwortung gegenüber Auszubildenden und dem Wirtschaftsstandort. "Es ist wichtig, dass die Betriebe gerade jetzt alles daran setzen, die Ausbildung aufrechtzuerhalten. Wenn die Wirtschaft wieder anläuft, werden qualifizierte Fachkräfte gebraucht", so Bernd Rehorz, Leiter der beruflichen Bildung.
Die aktuell angespannte Situation im Zuge der Corona-Pandemie stellt die Wirtschaft branchenübergreifend vor große und vielfältige Herausforderungen. Zahlreiche Betriebe waren oder sind von Schließungen und Kurzarbeit betroffen. Auch die Ausbildungsbetriebe sehen sich mit neuen Herausforderungen in Bezug auf die Betreuung ihrer Auszubildenden konfrontiert. So darf für Auszubildende beispielsweise erst nach sechswöchiger Freistellung am Stück Kurzarbeit angemeldet werden. Insbesondere für kleinere Unternehmen kann dies zu einer Belastungsprobe werden. Trotzdem appelliert Rehorz an die betroffenen Unternehmen: "Denken Sie an morgen und versuchen Sie, Ihre Auszubildenden zu halten."
Die neuen Herausforderungen meistern viele oberfränkische Ausbildungsbetriebe jedoch sehr gut. "Der Großteil unserer Ausbildungsbetriebe agiert hier sehr flexibel und verantwortungsvoll", so Rehorz. Um die Zeit der Pandemie zu überbrücken und zugleich sinnvoll zu nutzen, werden in vielen Betrieben Ausbildungsthemen vorgezogen oder Auszubildende schon jetzt in Abteilungen bzw. Bereichen eingesetzt, die sie normalerweise erst später durchlaufen würden. Interne Fortbildungen und Schulungen sowie fachspezifische Lehrgänge werden ebenfalls häufig für Auszubildende angeboten. Zum Teil bekommen Auszubildende bereits jetzt mehr Möglichkeiten, eigenverantwortlich Projekte zu entwickeln und umzusetzen.
"Viele Betriebe nutzen die Situation ganz konkret, um Ausbildungsinhalte zu vertiefen. An der einen oder anderen Stelle können auch individuelle Lernschwerpunkte gesetzt werden, für die im Alltagsbetrieb mitunter wenig Raum bleibt", berichtet Rehorz. Der Großteil der Ausbildungsbetriebe zeige großes, oft auch persönliches Engagement, um die Auszubildenden gut durch die Zeit der Pandemie zu begleiten und auf die bevorstehenden Prüfungen vorzubereiten. "Sie legen damit ein Fundament für die Zeit nach der Krise, damit der Wiedereinstieg möglichst reibungslos gelingen kann."

Stärke der Ausbildungsregion Oberfranken als Chance

Wie sich der Ausbildungsmarkt nach der Corona-Pandemie langfristig entwickeln werde, bleibt abzuwarten, denn von den aktuellen Herausforderungen betroffen sind nicht nur bestehende Ausbildungsverhältnisse, sondern auch künftige. "Branchenspezifisch wird es sicherlich Verschiebungen geben, abhängig davon, wie gut Betriebe und Branchen die Krise meistern können", so Rehorz. Angesichts der Stabilität des oberfränkischen Ausbildungsmarktes bleibt er dennoch grundsätzlich optimistisch. "Kein Jugendlicher muss Angst haben, leer auszugehen, kommen doch aktuell auf einen unversorgten Bewerber zwei unbesetzte Ausbildungsstellen."
Gut qualifizierte Fachkräfte werden dringend gebraucht, auch und insbesondere in der Zeit nach der Krise, so Rehorz "Es ist ermutigend, zu sehen, dass viele oberfränkische Ausbildungsbetriebe auch in dieser schwierigen Situation ihren Verpflichtungen gegenüber den Auszubildenden nachkommen. Sie unterstützen damit nicht nur die Auszubildenden selbst, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag für eine langfristige Fachkräftesicherung in Oberfranken."