16.05.2019

IHK-Konjunkturbefragung: Hält die oberfränkische Wirtschaft ihr hohes Niveau?

Rückläufige Auftragseingänge und weltweite Konflikte trüben Zuversicht

Die Konjunktur verliert europaweit an Dynamik, politische Entwicklungen verstärken die Unsicherheit. Das drückt auch auf die Stimmung in der oberfränkischen Wirtschaft. In der neuen IHK-Konjunkturbefragung werden sowohl die aktuelle Geschäftslage, als auch die Erwartungen an die kommenden zwölf Monate etwas schlechter beurteilt. Der IHK-Konjunkturklimaindex verbleibt zwar nach wie vor deutlich im positiven Bereich, sinkt aber um einen Zähler auf nunmehr 122 Punkte. Signifikant sind die beschriebenen Auftragsrückgänge, die vor allem in der Industrie zu verzeichnen sind. "Auftragseingänge sind Frühindikatoren für die weitere Entwicklung. Bleiben sie dauerhaft aus, wird es zu einer konjunkturellen Abkühlung kommen", erläutert IHK-Präsidentin Sonja Weigand.
Von rückläufigen Auftragseingängen betroffen sind die Umsätze im Inland, vor allem aber die aus dem Ausland. Das rückläufige Auftragsvolumen schlägt aktuell wegen noch relativ gut gefüllter Auftragsbücher und hoher Auslastungsgrade zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf den Umsatz durch, kann auf längere Sicht aber zum Problem werden. "Die Aufträge von heute sind die Umsätze von morgen. Umso wichtiger ist es, dass der Industriestandort Deutschland nicht durch politische Entscheidungen gefährdet wird und sich die Verantwortlichen den Herausforderungen im internationalen Handel stellen", betont die IHK-Präsidentin mit Blick auf den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Brexit-Diskussion.
Die Unternehmerinnen und Unternehmer beurteilen in der IHK-Frühjahrsumfrage die derzeitige Geschäftslage ihres Unternehmens vornehmlich positiv. 46 Prozent der Befragten geben an, dass die Lage des eigenen Betriebes gut ist, weitere 46 Prozent stufen sie als befriedigend ein. Unzufrieden mit der aktuellen Situation sind nur acht Prozent. Damit verringert sich der Saldo in der Beurteilung der Geschäftslage zum wiederholten Mal leicht, ohne aber den deutlich positiven Bereich zu verlassen. Klassenprimus in dieser Kategorie bleibt mit Abstand die Baubranche, gefolgt vom Dienstleistungssektor und dem Tourismus. Gestützt wird das gute Ergebnis durch die nahezu unverändert hohe Kapazitätsauslastung, die von 87 Prozent der oberfränkischen Wirtschaft mit voll bzw. befriedigend kategorisiert wird.

Gute Lage nicht schlecht reden

Bewahrheiten sich die Aussagen zum Auftragsvolumen, das bei den befragten Firmen in den vergangenen sechs Monaten mehrheitlich rückläufig war - so ist das ein Ergebnis, das es in den zehn Jahren der Hochkonjunktur nicht gegeben hat. Die Rückgänge schlagen sich im verarbeitenden Gewerbe sowie im Großhandel besonders stark nieder. In der Vergangenheit sichere Wachstumsmärkte, wie Nordamerika oder die Eurozone, schwächeln mit rückläufiger Nachfrage. Andere Absatzmärkte können das entstandene Nachfragedefizit nicht kompensieren, sondern verlieren aufgrund der weltweiten Verflechtungen ebenfalls an Dynamik. Hier zeigen sich die mittel- bis langfristigen Folgen aggressiver Zollpolitik und Protektionismustendenzen. "Die aktuelle Lage der Wirtschaft in unserem Kammerbezirk ist mehrheitlich gut. Die gute Lage soll man auch nicht schlecht reden. Um weiter auf Erfolgskurs zu bleiben brauchen die Unternehmen aber sichere Rahmenbedingungen im In- und im Ausland", so IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.

Die Hoffnungen ruhen auf dem Inlandsmarkt

Die Erwartungen in die Unternehmensentwicklung der nächsten zwölf Monaten ändern sich für die oberfränkischen Betriebe nur geringfügig und bleiben moderat optimistisch. 23 Prozent der befragten Betriebe kalkulieren mit einer sich verbessernden Geschäftslage, 16 Prozent schätzen, dass sich ihre Lage in der anstehenden Zeit verschlechtern wird, 61 Prozent rechnen mit keinen signifikanten Änderungen. Der Einzelhandel und die Industrie erwarten eine größere Abkühlung der Geschäftslage als der Durchschnitt. Überdurchschnittlich positive Erwartungen haben hingegen der Bausektor, die Tourismusbranche sowie die Dienstleistungsunternehmen. "Die Hoffnungen für eine Verbesserung der Geschäftslage liegen vor allem auf dem Inlandsmarkt, dem man Wachstumsimpulse zutraut. Das künftige internationale Geschäft wird angesichts der weltweiten Herausforderungen dagegen eher zurückhaltend bewertet", betont die IHK-Hauptgeschäftsführerin.

Investitionen können Niveau halten

Investitionen und Innovationen fördern die Produktivität und sichern damit die Marktposition des eigenen Unternehmens sowie den Wohlstand in der Region. Dieses Credo ist in der vornehmlich inhabergeführten Wirtschaft Oberfrankens tief verwurzelt und hat auch im Frühjahr 2019 Bestand. Die oberfränkischen Unternehmen rechnen für die kommenden zwölf Monate mit einem ähnlichen Investitionsniveau wie zu Jahresbeginn. Rund ein Viertel der Befragten plant eine weitere Steigerung der Inlandsinvestitionen, ihre Investitionen reduzieren wollen dagegen 15 Prozent der Firmen. Hierbei stechen der Einzelhandel, die Dienstleistungsbetriebe sowie die Industrie hervor. Die Beschäftigtenplanungen fallen hingegen verhaltener aus. Mit Einstellungen kann vor allem im Dienstleistungssektor und im Einzelhandel gerechnet werden. Der Tourismus, die Industrie und der Großhandel gehen dagegen von einem leichten Personalabbau aus.

Wirtschafts- und Außenpolitik sind gefragt

Die rückläufige Dynamik der Konjunktur ist nicht nur eine Folge weltweiter Entwicklungen. Die deutsche Wirtschafts- und Außenpolitik ist mitentscheidend für die konjunkturelle Entwicklung. "Wir brauchen eine nachhaltige und strategische Wirtschafts- und Industriepolitik, die die herrschende Verunsicherung insbesondere um die Leitindustrie Automobil auflöst und Innovationsanreize schafft", fordert IHK-Präsidentin Sonja Weigand. Für ebenso wichtig hält sie eine Außenwirtschaftspolitik, in der das Renommee der Bundesrepublik wieder stärker zum Tragen kommt. "Weltweit ist Deutschland ein anerkanntes diplomatisches Schwergewicht. Damit ist Deutschland in der Pflicht, zu einer Deeskalation politischer und handelspolitischer Konflikte beizutragen. Diesen Trumpf müssen wir zum Wohle aller Partner und vor allem zum Wohle unserer Volkswirtschaft ausspielen", so Weigand.