28.05.2019

Lichtenfelser Unternehmen blicken sorgenvoll in die Zukunft

Die wirtschaftliche Lage ist positiv, aber die Erwartungen brechen ein

Im Rahmen der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage formulieren die Unternehmen aus dem Landkreis Lichtenfels spürbare Zweifel: Kann die Wirtschaft den erfolgreichen Kurs beibehalten oder steht die Phase der Hochkonjunktur vor dem Ende? Zwar wird die derzeitige Geschäftslage von den befragten Betrieben weiter vornehmlich positiv eingestuft, die Prognose für die kommende Zeit aber rutscht im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich ab. „Die internationalen Handelsstreitigkeiten und die Auswirkungen politischer Entscheidungen gehen an unseren Unternehmen nicht spurlos vorbei. Die Lichtenfelser Wirtschaft könnten vor schweren Zeiten stehen, die mit Einschnitten für die gesamte Region verbunden wären“, mahnt der Vorsitzende des IHK-Gremiums Lichtenfels, IHK-Vizepräsident Wilhelm Wasikowski. Der IHK-Konjunkturklimaindex gibt unter diesen Voraussetzungen um neun Zähler nach und liegt aktuell bei 105 Punkten.
Dabei wird die derzeitige Situation von den befragten Unternehmen durchaus positiv eingeschätzt. 41 Prozent der Befragten sind mit der Wirtschaftslage der eigenen Firma zufrieden und beurteilen diese als gut. Weitere 47 Prozent geben immer noch eine befriedigende betriebliche Situation an und nur zwölf Prozent bezeichnen die eigene Lage als schlecht. Der Kern des Problems zeigt sich beim Blick auf die Auftragsvolumen, die in den letzten Monaten rückläufig waren und so wohl mitverantwortlich für den pessimistischen Blick auf die anstehenden Monate sind. „Die derzeitige Lage der Unternehmen ist gut und stabil, viele Betriebe können noch Altaufträge abarbeiten und so ihre Kapazitäten auslasten. Bleiben aber neue Aufträge aus, schlägt sich das schnell in sinkenden Umsätzen aus“, so Wasikowski, der vor allem auf die Verunsicherung und der Autoindustrie und damit den regionalen Zulieferbetrieben verweist.

Gewitterwolken am Horizont

Nach der Erwartung in die unternehmerische Entwicklung der kommenden zwölf Monaten gefragt, geben die Unternehmen im Landkreis Lichtenfels dann im Saldo auch ein pessimistisches Urteil ab. Mehr Unternehmen rechnen mit einer sich verschlechternden Geschäftslage, als mit einer sich verbessernden Lage. Konkret erwartet fast ein Viertel der Betriebe eine Eintrübung der Geschäftslage (23 Prozent), an eine Verbesserung glauben hingegen nur acht Prozent. Die weiteren 69 Prozent rechnen mit einer konstanten unternehmerischen Situation der eigenen Firma. „Eine vergleichbare Prognose hatten wir zuletzt vor knapp fünf Jahren. Unternehmen berichten von einer angespannten Situation, gerade wenn sie in verunsicherten Branchen tätig sind oder im internationalen Wettbewerb stehen“, erläutert Wasikowski.
Jahrelang haben die Unternehmen aus der Wirtschaftsregion Lichtenfels ihre Investitionen gesteigert und das Investitionsniveau in neue Höhen geführt. Damit könnte zunächst erst einmal Schluss sein. Dem Trend der sich verschlechternden Lage folgend, wollen erstmals seit langem etwas mehr Unternehmen ihre Investitionen im Inland senken als steigern. Das passt in das konjunkturelle Gesamtbild, wie auch die Planungen zum künftigen Beschäftigtenstand. Hier prognostizieren die befragten Betriebe ebenfalls einen Personalabbau und das im Saldo sogar recht deutlich. „Man darf die Lage nicht schlechter reden als sie ist, aber das viel zitierte Ende der Hochkonjunktur könnte in diesem Jahr zumindest im Landkreis Lichtenfels eintreffen. Es wird Zeit, dass die Politik sich wieder deutlich zum Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland bekennt und entsprechende Korrekturen einleitet, es sollte nicht nur ständig über Steuererhöhungen gesprochen werden“, mahnt der Vizepräsident.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen seien daher die Anstrengungen der Bayerischen Staatsregierung zu begrüßen, die den Standort Lichtenfels durch nachhaltige Investitionen gestärkt hat. Als Beispiel nennt der Lichtenfelser Gremiumsvorsitzende den Wissenschaftscampus Burgkunstadt für den Online-Handel. Unterstützung erhoffe man sich in Lichtenfels nun auch für die Projektidee zur Schaffung eines Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ), vor allem für die additive Fertigung (3D-Druck).