29.08.2019

Endspurt bei der Ausbildungsplatzsuche

IHK für Oberfranken Bayreuth: Viele Lehrstellen noch unbesetzt

 

3.407 neue Ausbildungsverträge hat die IHK im Jahr 2019 bisher registriert, 1,0 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Rund zwei von drei Azubis lernen in einem Mitgliedsunternehmen der IHK, die damit ihre Marktführerschaft klar behauptet. "Das Ausbildungsjahr ist noch längst nicht abgeschlossen, bis zum Jahresende wird die Zahl der Azubis noch auf über 4.200 steigen." Ginge es nach den Unternehmern, würden diese auch 5.000 oder 5.500 Auszubildende einstellen. "Alleine, es fehlen die Bewerber", fasst Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth, die aktuelle Situation zusammen.
Bei der Agentur für Arbeit sind Ende August 756 unversorgte Bewerber registriert, gleichzeitig aber 3.189 unbesetzte Ausbildungsstellen. "Auf jeden Bewerber kommen rechnerisch 4,2 unbesetzte Ausbildungsstellen", so Bernd Rehorz, IHK-Bereichsleiter Berufliche Bildung. "Da ist also noch viel Luft drin." Wer also noch eine Ausbildungsstelle sucht, hat noch beste Chancen. Rehorz rät aber auch, sich nicht zu sehr auf einen bestimmten Beruf festzulegen, sondern sich auch über Ausbildungsstellen in anderen, verwandten Berufen zu informieren.
Warum bleiben so viele Ausbildungsplätze unbesetzt?
Gründe, warum so viele Lehrstellen noch unbesetzt sind, gibt es viele, erläutert Rehorz. "Als allererstes sind da natürlich die demografische Entwicklung zu nennen, der ungebrochene Trend zum Studium und die weiterhin sehr gute Konjunktur." Hinzu komme, dass etliche Bewerber Lehrstellen in Berufen suchen, wo sie auf große Konkurrenz stoßen und den Kürzeren ziehen. Gleichzeitig klagen immer mehr Personalchefs darüber, dass sie zu wenige oder gar keine Bewerbungen erhalten. "Immer häufiger wird aber auch die schlechte ÖPNV-Verbindung auf dem flachen Land als Hinderungsgrund genannt", weiß Rehorz. "Inzwischen stellen Unternehmen auch Autos oder Fahrdienste zur Verfügung."
In der IHK-Lehrstellenbörse bieten viele oberfränkischen Unternehmen Ausbildungsplätze für das im September beginnende Ausbildungsjahr an. "Gesucht werden insbesondere Fachlageristen, Einzelhandelskaufleute, Azubis in der Gastronomie, den IT-Berufen und  den Bauberufen, außerdem Maschinen- und Anlagenführer sowie Industriekaufleute", fasst Rehorz zusammen. "Gefragt sind aber auch Elektroniker in der Betriebstechnik, Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker Kunststoff, Mechatroniker oder Buchhändler."
Aktuell sind bei der IHK für Oberfranken Bayreuth 3.407 Ausbildungsverträge registriert. Rehorz macht aber deutlich, dass auch nach dem Ausbildungsbeginn am 1. September noch etliche Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Rehorz: "Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Ende August erst knapp drei Viertel der Ausbildungsverträge unterschrieben sind. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der unterschriebenen Ausbildungsverträge bis zum Jahresende noch auf gut 4.200 steigen wird."
Lehre statt Studium
Hohenner bedauert, dass immer mehr junge Menschen auf ein Studium fixiert sind, ohne sich über die Alternativen zu informieren. Hohenner. Dabei bietet das durchlässige Bildungssystem inzwischen Chancen, die es vor zehn oder zwanzig Jahren noch nicht gab. Sie nennt einige Beispiele: Entschließt man sich für eine Ausbildung, gibt es die Möglichkeit, sich anschließend zum Meister oder Fachwirt weiterzubilden. Dies entspricht vom Qualifikationsniveau her dem Bachelor, teilweise sogar dem Master und wird auch so anerkannt. Und das geht auch ohne Abitur. Wer sich für eine Lehre mit anschließender Weiterqualifizierung entscheidet, hat wegen seiner Praxisorientierung bei einem Personalchef oft auch bessere Chancen als ein Hochschulabsolvent.