20.02.2020

Erwartungen der Lichtenfelser Wirtschaft auf Talfahrt

Wasikowski: Lichtenfelser Wirtschaft droht Anschluss zu verlieren

Die Wirtschaft am Obermain sendet in der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zu Jahresbeginn ein deutliches Warnsignal aus. Wird die derzeitige Geschäftslage von den befragten Unternehmen im Saldo noch positiv beurteilt, verbuchen die Erwartungen für 2020 einen starken Rückgang. Unter diesen Voraussetzungen sackt auch der IHK-Konjunkturklimaindex um 15 Zähler auf jetzt 97 Punkte ab. Er fällt damit auf den niedrigsten Wert in Oberfranken.
"Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen aus dem Landkreis Lichtenfels immer noch vornehmlich gut oder befriedigend beurteilt. Sorgen machen sich viele Unternehmen bei der Aussicht auf das Jahr 2020", so Wilhelm Wasikowski, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels.

Mit aktueller Geschäftslage weitgehend zufrieden

Nach der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage gefragt, sind die Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Wirtschaftsraum Lichtenfels vornehmlich guter Dinge: 39 Prozent der Befragten stufen die eigene betriebliche Lage als gut ein, weitere 49 Prozent beurteilen diese befriedigend. Unzufrieden mit der Geschäftslage sind zwölf Prozent der Unternehmen. Bis auf den Landkreis Wunsiedel fällt die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage allerdings in allen anderen oberfränkischen Teilregionen positiver aus.

Geschäftslage soll sich im Landkreis Lichtenfels spürbar verschlechtern

Pessimismus überwiegt bei den Erwartungen. Wasikowski: "Kein anderes IHK-Gremium schätzt die weitere Konjunkturentwicklung so negativ ein, wie Lichtenfels." Beim Blick auf die anstehenden zwölf Monate sind viele der befragten Unternehmen pessimistisch gestimmt und rechnen mit einer konjunkturellen Flaute. Insgesamt stellen sich 32 Prozent der befragten Unternehmen auf eine Verschlechterung der Geschäftslage ein. Mit einer Verbesserung kalkulieren hingegen lediglich sechs Prozent aller Befragten. Immerhin 62 Prozent rechnen für 2020 mit einer stabilen Entwicklung.
"Rund ein Drittel aller befragten Unternehmen erwartet für das anstehende Jahr eine Verschlechterung der Geschäftslage. Das ist eine Prognose, die aufhorchen lässt", so Wasikowski. "Wichtigste Ursache für diese Negativprognose sind die Exporterwartungen, die negativsten Oberfrankens. Wir benötigen jetzt dringend eine Normalisierung und Stabilisierung der internationalen Handelsbeziehungen und neue Impulse für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland." Dass Lichtenfels beim Ausblick derzeit den Anschluss verliert, ist nach Ansicht von Wasikowski nicht zuletzt auf die schwierigen Rahmenbedingungen für die Kfz-Zulieferern und die Polstermöbelindustrie zurückzuführen.

Innovative Entwicklungen statt Schummel-Software

"Lage und Erwartungen bei den Exporten machen eindrücklich klar, dass die deutsche Wirtschaft längst ein Spielball der Weltkonjunktur ist". so Wasikowski: "Umso wichtiger ist es, dass wir uns in Deutschland wieder auf unsere ureigenen Stärken besinnen. Innovative Entwicklungen statt Schummel-Software, schnelles Mobilfunknetz statt weißer Flecken, bezahlbare und zuverlässige Stromversorgung statt chaotischer Energiewende, Entlastung des Mittstandes anstelle quasi steuerbefreiter internationaler Konzerne."
Nach Jahren des Beschäftigtenaufbaus in Stadt und Landkreis Lichtenfels scheint vorerst eine Trendwende einzutreten. Die Unternehmen wollen im Saldo Stellen abbauen. Die Investitionen vor Ort sollen dagegen leicht zulegen. "Dies ist ein Hoffnungsschimmer, zeigt es doch, dass mehr Unternehmen mittelfristig mit einem Aufwärtstrend rechnen."