17.01.2020

Getrübte Erwartungen deutscher Unternehmen in China

Welche Auswirkungen hat die chinesische Konjunktur auf Oberfranken?
Die Aussichten der oberfränkischen Unternehmer für 2020 sind eher zurückhaltend, was nicht zuletzt auf die Exporte zurückzuführen ist. Das hat auch mit der Konjunkturentwicklung in China zu tun, wie Gabi Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth verdeutlicht. "Die Erwartungen der deutschen Unternehmen in China sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr", fasst Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer in Bejing, die aktuelle Lage zusammen. Allerdings rechnen die Unternehmen für 2020 mit einer leichten Erholung.
Über die Hälfte ihres Umsatzes macht die oberfränkische Industrie mit dem Ausland. Nach den USA ist China der größte Abnehmer bayerischer Produkte. Umgekehrt führt Bayern aus keinem Land so viel ein, wie aus China.

China inzwischen zweitwichtigster Absatzmarkt
Betrug der Wert der bayerischen Exporte 2008 erst 6,7 Milliarden Euro, lag er 2018 bereits bei 16,9 Milliarden Euro, was einem Zuwachs um 150 Prozent entspricht. Die Importe aus China sind im gleichen Zeitraum um 3,8 Milliarden Euro (30 Prozent) gestiegen. Längst ist die bayerisch-chinesische Außenhandelsbilanz ausgeglichen, Bayern exportierte 2018 sogar etwas mehr nach China, als importiert wurde (+419 Millionen Euro). Die bayerischen Exporte nach China sind in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 gegenüber 2018 allerdings um 2,2 Prozent zurückgegangen. Hohenner: "Von den Wachstumsraten der früheren Jahre ist der Export weit entfernt. Die konjunkturelle Entwicklung in China bleibt deshalb nicht ohne Auswirkungen auf Oberfranken."

Chinesischer Automarkt: Starke Einbrüche
Knapp ein Drittel des Exportes in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 nach China entfällt mit 4 Milliarden Euro auf Kfz und Kfz-Teile, gefolgt von Maschinen (24 Prozent), IT, elektronischen und optischen Erzeugnissen (14 Prozent) sowie elektrische Ausrüstungen (13 Prozent).
Während 2019 mehr Pkw und Wohnmobile exportiert wurden, ging der Export von Kfz-Teilen wie schon im Vorjahr um 14 Prozent zurück. Insgesamt verzeichneten die bayerischen Kfz-Zulieferer gegenüber 2018 beim Export nach China Einbußen von 174 Millionen Euro. Damit entfällt ein erheblicher Teil des bayerischen Exportrückgangs von 275 Millionen Euro auf die Kfz-Zulieferer. Hohenner: "Deshalb ist Oberfranken von der aktuellen Entwicklung in China auch überproportional betroffen." 2018 war der chinesische Automarkt erstmals seit 20 Jahren geschrumpft. 2019 wurden auf dem größten Pkw-Markt der Welt mit 21 Millionen rund 7,5 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als ein Jahr zuvor.

Gut 90 oberfränkische Unternehmen mit Geschäftskontakten nach China
Über 90 Unternehmen mit Geschäftskontakten zu China sind der IHK für Oberfranken Bayreuth bekannt. Hohenner: "Gerade weil die Entwicklung in den USA und Großbritannien unberechenbar ist, fällt der Wirtschaftsentwicklung in China eine wichtige Rolle zu."

Geschäftsklima in China eingetrübt
Über 2.300 deutsche Unternehmen sind in der Auslandshandelskammer in China organisiert, die einmal jährlich ihre Geschäftsklima-Umfrage veröffentlicht. Lediglich etwas mehr als ein Viertel der in China untersuchten deutschen Unternehmen geht in der aktuellen Umfrage davon aus, ihre Unternehmensziele für 2019 zu erreichen oder zu übertreffen. Damit sind die Erwartungen so niedrig wie seit Jahren nicht mehr, fasst Hildebrandt die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage zusammen, die erstmals in Kooperation mit KPMG Deutschland durchgeführt wurde.
Neben der rückläufigen Konjunktur in der Volksrepublik China beeinträchtigen zwei weitere Aspekte die Entwicklung der in China tätigen Unternehmen. "Vom amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt sind 83 Prozent der in China tätigen deutschen Unternehmen laut eigener Aussage direkt oder indirekt betroffen", so Hildebrandt. "Außerdem beeinträchtigen Insbesondere Marktzugangsbarrieren und regulatorische Hürden das Wachstumspotential deutscher Unternehmen auf dem chinesischen Markt."

Marktzugang für deutsche Unternehmen verbessern
Hildebrandt und Hohenner sind sich einig, dass China den Marktzugang für ausländische Unternehmen weiter verbessern müsse. Dieser Markzugang ist auch einer der Hauptpunkte im Handelsstreit zwischen den USA und China. Hildebrandt: "China hat eine Reihe von Maßnahmen zur Umsetzung von Reformen in diese Richtung ergriffen. Von einer umfassenden und systematischen Marktöffnung auf allen Ebenen sind die erzielten Fortschritte jedoch noch weit entfernt." Er betont, dass sowohl chinesische, als auch deutsche Unternehmen davon profitieren, wenn Marktzugangsbarrieren abgebaut werden.
Aus Sicht der in China operierenden deutschen Unternehmen sollte die Bundesregierung vor allem für gleiche Wettbewerbsbedingungen für deutsche Unternehmen eintreten (45 Prozent), einen verbesserten Marktzugang in China fordern (38 Prozent) sowie eine Verbesserung des Schutzes von geistigem Eigentum in China (36 Prozent).

Unternehmen wollen mehr investieren
Trotz des schwachen Wachstums der chinesischen Wirtschaft planen zwei von drei Mitgliedsunternehmen der Auslandshandelskammer in China in den kommenden zwei Jahren Investitionen in der Volksrepublik. Hohenner: "Diese Planungen belegen, dass die deutschen Unternehmen in China trotz der aktuell nicht einfachen Rahmenbedingungen optimistisch bleiben." Hildebrandt ergänzt: "Die Hälfte der Befragten würden mehr investieren, sollte der Marktzugang weiter verbessert werden. Der Abschluss eines qualitativ hochwertigen und umfassenden EU-China Investitionsabkommens würde hier entsprechende Impulse setzen und die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen auf eine neue Stufe heben."
Hohenner beurteilt die Zukunftschancen auf dem chinesischen Markt positiv, die oberfränkischen Unternehmen mit Geschäftskontakten nach China müssen sich aber wohl auf ein einige schwere Jahre einstellen.