05.11.2019

Von Zuversicht bei Kronacher Wirtschaft wenig zu spüren

Kronacher Wirtschaft im Sog der Rezession

Die Vorboten sind seit Monaten zu erkennen. Nun hat die konjunkturelle Eintrübung, getrieben von der Krise der Automobilindustrie, den Raum Kronach endgültig erreicht. In der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth schätzen die Unternehmen aus der Wirtschaftsregion Kronach ihre aktuelle Lage noch einmal spürbar schlechter ein als im Frühjahr und zeigen sich mit Blick auf die kommenden Monate mehrheitlich pessimistisch.
"Unser Wirtschaftsraum steht vor großen Herausforderungen. Der lahmende Welthandel, die schwächelnde Inlandsnachfrage und vor allem die Probleme der Autobauer treffen eine Industrieregion wie Kronach besonders hart. Auch die Loewe-Insolvenz ist noch nicht verdaut", erläutert der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach, IHK-Vizepräsident Hans Rebhan. Der Konjunkturklimaindex sackt um 20 Punkte ab und liegt damit nur noch bei 105 Zählern. Damit ist Kronach Schlusslicht in Oberfranken. Rebhan: "Dieser jähe Absturz zeigt aber auch, wie grundlegend sich die Einschätzungen in diesem kurzen Zeitraum angepasst haben."

Aktuelle Geschäftslage noch überwiegend positiv beurteilt

Die aktuelle Geschäftslage im Landkreis Kronach wird allerdings meist noch positiv und vergleichsweise robust eingeschätzt. Eine deutliche Eintrübung ist dabei aber nicht zu übersehen. 44 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer schätzen ihre derzeitige Geschäftslage positiv ein, 40 Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation. Trotz des positiven Saldos handelt es sich hier um das schwächste Ergebnis im Landkreis Kronach seit Januar 2015. "Viele Unternehmen am Standort Kronach sind stark aufgestellt und machen weiterhin gute Geschäfte. Andererseits berichten immer mehr Unternehmen, gerade aus der Industrie, von zum Teil schwierigen Rahmenbedingungen. Die Krise der Autobauer droht auf andere Branchen überzugreifen", warnt Rebhan.
Die schwierige Geschäftslage wird durch rückläufige Umsatz- und Auftragsvolumen im Inland unterstrichen. Rebhan: "Obwohl internationale Handelskonflikte und das Brexit-Chaos den Kronacher Exporteuren schadet, vermelden diese dagegen ein leichtes Umsatz- und Auftragsplus, das allerdings spürbar geringer ausfällt als im Frühjahr."

Kaum Hoffnung auf Besserung

Der Blick auf die kommenden zwölf Monate fällt bei der Kronacher Wirtschaft im Gesamtergebnis recht eindeutig aus: Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Fast ein Viertel der befragten Firmenlenker rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäftslage, nur noch elf Prozent mit einem Aufwärtstrend. Damit erreicht der Saldo bei den Erwartungen den tiefsten Stand seit sieben Jahren. "Unsere mittelständischen Unternehmer sind ja von Grund auf optimistisch, doch aktuell ist von Zuversicht vielerorts nichts mehr zu spüren. Zu schwierig ist das Umfeld, zu groß die Verunsicherung gerade in Teilen der Industrie", so Rebhan.

Investitionen sollen zurückgefahren werden

Die Investitionsplanungen der Kronacher Wirtschaft sind ein Spiegelbild der zurückhaltenden Prognosen. Zwar will etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen seine Investitionen steigern, rund 45 Prozent plant aber mit rückläufigen Investitionen oder gar einem Investitionsstopp.
Auch bei den Beschäftigtenplanungen schlägt die schwache Prognose durch. Somit ist für 2020 auch mit weniger sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Wirtschaftsraum Kronach zu rechnen. Aktuell überlagern sich zwei Trends: Einerseits müssen Unternehmen Kosten sparen, andererseits gibt es in vielen Berufen weiterhin Fachkräftemangel. Rebhan: "Unsere Unternehmen dürfen jetzt nicht ihrem ersten Impuls nachgeben und auf Teufel komm raus sparen, etwa indem sie ihre erfahrensten, also besten Mitarbeiter freisetzen."
"Weniger Investitionen und weniger Beschäftigte sind Alarmsignale", so Rebhan. Wir brauchen Lösungen und kräftige Impulse von der Bundes- und Landespolitik, um die Stärke des Industriestandorts Deutschland zu erhalten. Längst hat sich Deutschland zu einem Hochsteuerland entwickelt. Noch nie war das Steueraufkommen in Deutschland so hoch wie in den vergangenen Jahren. Jetzt wäre es an der Zeit, davon etwas zurückzugeben. Das schafft nicht nur Kaufkraft für die Bürger und Luft für Zukunftsinvestitionen der Unternehmen, sondern auch Optimismus."

Lucas-Cranach-Campus als Chance

Rebhan ergänzt dazu: "Wir müssen aber auch selbst aktiv werden, um die Rahmenbedingungen vor Ort konkret zu verbessern." In dieser Situation ist die Gründung des Lucas-Cranach-Campus die Antwort zur richtigen Zeit, womit die Rahmenbedingungen für den Standort Kronach künftig verbessern werden. "Gelingt es dabei, Wirtschaft und Wissenschaft zu verzahnen, etwa bei den Themenkomplexen Innovative Gesundheit, User Experience Design oder Autonomes Fahren, entsteht eine Win-win-Situation, von der Studierende und Unternehmen gleichermaßen profitieren können. Die positiven Effekte wird der Wirtschaftsraum nicht von heute auf morgen zu spüren bekommen, die Weichen für einen noch wettbewerbsfähigeren Wirtschaftsstandort Kronach aber sind gestellt", ist sich Rebhan sicher.