11.11.2019

Konjunktur im Raum Hof gibt nach

Unternehmen wollen aber mehr investieren

Die konjunkturelle Abkühlung erreicht auch die Wirtschaft im Hofer Land. In der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth korrigieren die Unternehmen aus Stadt und Landkreis Hof ihre Lagebeurteilung und die Erwartungen für die kommenden 12 Monate zum Teil deutlich nach unten. "Die schwache Inlandsnachfrage und die Turbolenzen im internationalen Handel führen zu einer spürbaren wirtschaftlichen Abkühlung", erläutert Dr. Heinrich Strunz, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Hof. Der IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Hof gibt um zwölf Punkte nach und notiert bei 108 Punkten – dem Tiefststand seit sechs Jahren.
Die aktuelle Geschäftslage wird von den Hofer Unternehmerinnen und Unternehmern im Saldo noch positiv beurteilt, muss aber gegenüber den Vorjahren eine spürbare Abwertung verzeichnen. 39 Prozent der befragten Firmen geben eine gute Geschäftslage zu Protokoll, während 15 Prozent mit der aktuellen Entwicklung nicht zufrieden sind. "Derzeit kann der Großteil der Unternehmen noch eine stabile bis gute Geschäftslage vermelden. Allerdings ist der Wert so niedrig wie seit über fünf Jahren nicht mehr", relativiert der Vizepräsident das Ergebnis. Ursache für die schlechter werdende Lageeinschätzung sind unter anderem die rückläufigen Umsätze und Auftragsvolumen im Inland und auf den internationalen Märkten, die dazu führen, dass mittlerweile über ein Viertel der Unternehmen berichtet, nicht ausreichend ausgelastet zu sein. "Die Auftragsbücher etlicher Unternehmen leeren sich zunehmend", so Dr. Strunz.

Das Ende der guten Jahre?

Auf die kommenden Monate blicken die Firmenlenker aus dem Wirtschaftsraum Hof durchaus skeptisch und so pessimistisch, wie seit sieben Jahren nicht mehr. Neue Impulse für die unternehmerische Situation werden nur noch von wenigen Befragten erwartet, so dass der Saldo der Erwartungen ins Negative schwenkt. Insgesamt rechnen nur 15 Prozent der Befragten mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten, 21 Prozent erwarten eine Negativentwicklung. Strunz: "Das Ende der fetten Jahre hat sich in den vergangenen Monaten angekündigt."

Wirtschaft rechnet mit Stellenabbau

Durchwachsen sind die Zukunftsaussichten: Während die Wirtschaft ihre Investitionen am Standort weiter steigern will, lassen die Beschäftigtenplanungen der Unternehmen aufhorchen. Ein Fünftel aller Unternehmen erwartet, dass sie ihren Personalbestand in der nächsten Zeit verringern muss, nur neun Prozent planen eine Aufstockung des Personals. "Erstmals nach 2012 und 2009 könnte es in der Region Hof in den nächsten Monaten zu einem Abbau von Beschäftigung kommen", sorgt sich der Vizepräsident und ergänzt: "Die Bundesregierung hat offenbar vergessen, dass sie ihre Rekordhaushalte den deutschen Unternehmen zu verdanken hat, vor allem dem Mittelstand. Anders kann ich mir den niedrigen Stellenwert der Wirtschaft bei politischen Entscheidungen nicht erklären. Wenn Deutschland nicht in eine Krise schlittern will, sind dringend Kurskorrekturen erforderlich." Strunz fordert deshalb schnellere Abschreibungen bei Investitionen und die Abschaffung des Soliditätszuschlags für alle.