13.11.2019

Konjunktureintrübung im Kulmbacher Land

Trotzdem positive Erwartungen bei Investitionen und Beschäftigung

Die Konjunkturabschwächung hat nun auch die Kulmbacher Wirtschaft erreicht. In der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth korrigieren die Unternehmen die zuletzt positiven Bewertungen zum Teil spürbar nach unten. Während die Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage trotz einer ersten Eintrübung noch auf einem stabilen Niveau verharrt, rutschen die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate ins Negative.
"Die Unternehmen aus dem Kulmbacher Raum rechnen mit konjunkturellen Herausforderungen. Die noch gute Lage darf den Blick auf die Zukunft nicht verklären. Die Probleme der Automobilindustrie wirken sich schon jetzt auf die Zulieferer aus und werden weitere Kreise auch in andere Branchen hinein ziehen", so der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kulmbach, IHK-Vizepräsident Michael Möschel. Im Ergebnis sackt der IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Kulmbach um 19 Punkte ab und liegt nun bei 111 Zählern – dem niedrigsten Wert seit neun Jahren. Möschel: "Diese deutliche Korrektur nach unten zeigt, wie abrupt der Wirtschaftsmotor im Kulmbacher Land ins Stottern gekommen ist."

Trotz Abkühlung noch gute Geschäftslage

Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage bleibt positiv, auch wenn die Einschätzung der befragten Kulmbacher Unternehmen eine merkliche Eintrübung erfährt. 43 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre derzeitige betriebliche Situation positiv, zwölf Prozent negativ. "Die Kulmbacher Wirtschaft zeichnet sich durch einen breiten Branchenmix aus. Das hilft uns jetzt, weil Probleme aktuell vor allem aus der Industrie gemeldet werden. Dennoch zeichnen sich Vorboten unruhiger Zeiten ab", so Möschel. Allen voran ist an dieser Stelle die Umsatz- und Auftragsentwicklung im In- und Ausland zu erwähnen. Dieser Trend wirkt sich auch auf die Kapazitätsauslastung aus, die im Ergebnis schwächer ausfällt als in den Vorjahren.

Sind die guten Zeiten vorbei?

Für 2020 überwiegt bei den Kulmbacher Unternehmen Pessimismus. Eine Seltenheit in Kulmbach, zuletzt waren die Unternehmen im Herbst 2011 ähnlich zurückhaltend, was die weitere Entwicklung angeht. 20 Prozent erwarten eine positive Entwicklung, 26 Prozent eine Verschlechterung. "Nach zehn Jahren Hochkonjunktur rechnen immer mehr Unternehmen mit einem Ende der Boomphase. Angesichts der aktuellen Meldungen, vor allem seitens der Automobilzulieferer, ist das kein Wunder. Der vorsichtige Kaufmann begegnet dieser Entwicklung mit Zurückhaltung", erläutert Möschel.

Unternehmen glauben an den Standort Kulmbach

Anders als zu erwarten nehmen die Unternehmen aus dem Wirtschaftsraum Kulmbach allerdings keine Kurskorrektur bei den geplanten Inlandsinvestitionen vor. Auch 2020 wollen die Unternehmen wieder mehr investieren als im Vorjahr. "Die Unternehmen wollen ihre Standorte stärken und zukunftsfähig gestalten. Steigende Investitionen sind ein Indiz für eine optimistische Grundeinstellung. Die Unternehmen glauben an ihr Geschäftsmodell und an den Standort Kulmbach. Das ist natürlich eine gute Neuigkeit für die gesamte Region", freut sich der IHK-Vizepräsident.
Auch die Beschäftigtenplanungen der Unternehmen werden von der negativen Prognose zur Entwicklung der Geschäftslage nicht allzu stark beeinflusst. Im Saldo planen sie mit einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl, was unter diesen Voraussetzungen ebenfalls Grund für vorsichtigen Optimismus ist.
Möschel: "Ich vermisse aber klare Signale aus der Politik. So müssen Unternehmen und Bürger unbedingt steuerlich entlastet werden. Die Zeit für gegenseitige Durchhaltegeschenke der Regierungsparteien auf Kosten der Zukunftsinvestitionen für unser Landes muss vorüber sein!“