14.08.2019

Oberfränkische Industrie gerät unter Druck

Beschäftigtenzahl im zweiten Quartal steigt, Umsatz ist rückläufig

 

"Seit der Finanzkrise 2009 hat die oberfränkische Industrie Erfolgsmeldungen am laufenden Band präsentiert", so Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth. Die konjunkturelle Entwicklung der oberfränkischen Industrie zeigt aber inzwischen erste Bremsspuren. Während die Beschäftigtenzahl in Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten im 2. Quartal weiter gestiegen ist, verzeichnen die oberfränkischen Unternehmen bei der Umsatzentwicklung erstmals seit Jahren wieder ein Minus.
Auf Bundesebene häufen sich die Meldungen, dass die Konjunkturentwicklung nicht mehr so rund läuft wie zuletzt. Wie ist die Situation in Oberfranken? Dieser Frage geht die IHK für Oberfranken Bayreuth in einer aktuellen Analyse nach.
Das Bild ist durchwachsen. "Generell ist zu verspüren, dass die Industrie, vor allem die Kfz-Zulieferindustrie, zusehends unter Druck gerät, während sich Dienstleistungen, Handel und Tourismus weiterhin im Aufwärtstrend befinden", so Hohenner. "Es ist eine Stagnation auf allerdings hohem Niveau zu beobachten."
Beschäftigtenzahl steigt weiter
Die Zahl der Beschäftigten ist im 2. Quartal um 1,2 Prozent oder 1.376 auf 113.845 gestiegen. Insgesamt hat die oberfränkische Industrie seit Juni 2010 14.245 neue Arbeitsplatze geschaffen. Fachkräfte werden weiterhin gesucht. Allerdings lässt die Dynamik beim Beschäftigtenzuwachs etwas nach. Im 1. Quartal lag das Plus noch bei 2,3 Prozent und im 4. Quartal 2018 sogar noch bei 3,5 Prozent.
"Immer mehr Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet. Dies zeigt, dass die Auftragslage in etlichen Fällen angespannt ist", so die IHK-Hauptgeschäftsführerin. "Das zeigt aber auch, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten halten wollen." Dies sei auch mit der Hoffnung verbunden, dass die Auftragsflaute bald vorübergeht.
Der Umsatz lässt dagegen seit dem 1. Quartal 2019 nach. Lag das Umsatzplus im 2. Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr noch bei 4,7 Prozent, mussten die Betriebe im 2. Quartal 2019 erstmals seit 2012 mit -2,2 Prozent einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr verkraften. Im Gegensatz zur bundesweiten Entwicklung stagniert nicht der Export, sondern der Inlandsumsatz. Hohenner: "Das lässt sich leicht erklären. Hauptabnehmer der wichtigsten Industriebranche Oberfrankens, den Kfz-Zulieferern, sind deutsche Pkw-Hersteller." An den Standorten dieser Hersteller schlägt sich das Minus dann vor allem im Export nieder. Der Inlandsumsatz der oberfränkischen Industrie hat im 2. Quartal um 4,0 Prozent nachgelassen, während die Unternehmen beim Export einen Rückgang von 0,6 Prozent verzeichnen.
Die Gründe für den Umsatzrückgang sind vielfältig, so die IHK. In vielen Ländern, etwa in China oder den USA, kühlt die Konjunktur ab. Der Handelsstreit der beiden Länder belastet die Weltwirtschaft. Ein ungeregelter Brexit droht. Auch der Wirtschaftsnationalismus und der Abwertungswettkampf der Währungen belasten weltweit die Wirtschaft. Hohenner: "Die aktuelle Verunsicherung ist Gift für die Konjunktur."
Viele Branchen mit Umsatzminus
Zehn der 16 in der amtlichen Statistik ausgewiesenen Industriebranchen in Oberfranken verzeichneten im 2. Quartal einen Umsatzrückgang. Während sich Unternehmen etwa aus dem Nahrungsmittelbereich, der Herstellung von Metallerzeugnissen und der Herstellung von IT-, elektronischen und optischen Erzeugnissen auch im 2. Quartal noch über einen spürbaren Umsatzzuwachs von sechs bis acht Prozent freuen können, gibt es andere Branchen, bei denen die Umsatzentwicklung spürbar nachgelassen hat. Zu nennen sind hier vor allem die Hersteller von Glas, Keramik und der Verarbeitung von Steinen und Erden (-18,3 Prozent), die Möbelhersteller (-15,2 Prozent).und die Hersteller von Textilien (-7,7 Prozent).
Vor diesem Hintergrund, mit einem Beschäftigtenzuwachs auf der einen Seite und einem Umsatzrückgang auf der anderen Seite, ist es nicht überraschend, dass die Produktivität in der oberfränkischen Industrie, also der Umsatz je Beschäftigten, seit dem 3. Quartal 2018 rückläufig ist und aktuell 3,4 Prozent niedriger liegt als im 2. Quartal 2018.
Unternehmen verunsichert
"Eine Verunsicherung in den Unternehmen ist spürbar", so Hohenner. "Die meisten Industrieunternehmen stellen sich darauf ein, dass sie in den kommenden Monaten weiter unter Druck stehen." Im Oktober stellt die IHK für Oberfranken Bayreuth die Ergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturbefragung vor. "Dort wird sich dann zeigen, ob der Optimismus oder der Pessimismus überwiegt."