23.08.2019

Bamberger Industrie verzeichnet Umsatzrückgang

Region Bamberg vor allem vom Nachfragerückgang bei Pkw betroffen

Im zweiten Quartal ging der Industrieumsatz gegenüber dem Vorjahr im Raum Bamberg um drei Prozent zurück, meldet die IHK für Oberfranken Bayreuth. Anders als in den anderen Städten und Landkreisen Oberfrankens verzeichnet die Bamberger Industrie bereits seit dem 1. Quartal 2018 Umsatzrückgänge. "Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigtenentwicklung", stellt Sonja Weigand fest, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth. "Trotz des Umsatzrückgangs stieg die Zahl der Industriebeschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent."
"Wir haben in der Region seit der Wirtschafts- und Finanzkrise vor zehn Jahren ein mehr als solides Wirtschaftswachstum", so Weigand. "Seit 2010 ist die Beschäftigtenzahl in Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten um 2.982 auf 24.500 gestiegen." 1.015 betrug der Zuwachs in der Stadt, 1.967 im Landkreis. Der Umsatzzuwachs in der Region lag im gleichen Zeitraum bei 32,2 Prozent, um 27,1 Prozent legten die Betriebe in der Stadt zu und um 37,6 Prozent die im Landkreis. Sowohl im Inland, als auch im Ausland setzt die Bamberger Industrie im 2. Quartal weniger ab.
Vier Branchen sind oberfrankenweit vom aktuellen Umsatzrückgang besonders stark betroffen: Die Kfz-Zulieferer, die Glas- und Keramikindustrie sowie die Textilindustrie und die Polstermöbelhersteller.
Kfz-Zulieferer unter Druck
Die Automobilindustrie wird zunehmend von Innovationen aus China und dem Silikon Valley bedroht, was die Kfz-Zulieferer am Standort Bamberg weiter unter Druck setzen wird.
Hinzu kommt die derzeitige Nachfrageflaute: Während sich der Automarkt in den USA langsam wieder stabilisiert, ist die Nachfrage in Europa und vor allem China rückläufig. Aber auch hausgemachte Probleme bremsten verschiedene Pkw-Hersteller aus, etwa weil sie es versäumt hatten, sich rechtzeitig auf die neuen Abgas- und Zulassungstests nach WLTP-Norm einzustellen. Dies hatte etwa bei VW sogar zu Produktionsunterbrechungen geführt mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zulieferer.
Kostendruck steigt
Die stagnierenden Absätze der Automobilhersteller bekommen die Zulieferer zeitnah zu spüren. Dort sind nicht nur Aufträge und Margen rückläufig, vielmehr müssen die Automobilzulieferer auch den größten Anteil der Kostensenkungen in der Wertschöpfungskette tragen. Schließlich stellen die Produkte der Zulieferer für Hersteller die größte Kostenposition dar. So unterliegen Zulieferer einem unerbittlichen und anhaltenden Kostendruck, der bei einer Absatzflaute noch stärker durchschlägt wie sonst. Kurzarbeit und Entlassungen sind die Konsequenz, was sich letztendlich auf die Gesamtbeschäftigtenzahl niederschlägt.
Harte Zahlen versus Bauchgefühl
"Konjunktur hat auch immer etwas mit Bauchgefühl zu tun", betont Weigand. "Das richtige Gespür unterscheidet einen erfolgreichen Unternehmer von einem weniger erfolgreichen." Aktuell sei eine Einschätzung der weiteren Entwicklung allerdings extrem schwierig. Weigand: "Etwas Klarheit wird uns erst die nächste IHK-Konjunkturumfrage bringen, wenn wir die Einschätzungen von über 600 Unternehmern zusammenfassen." Die Ergebnisse der Umfrage werden im Oktober vorgestellt.