23.08.2019

Umsatzrückgang der Industrie im Raum Hof

Handel, Dienstleistungen, Gastronomie und Bau weiterhin im Plus


Um 4,6 Prozent ging der Industrieumsatz zu zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr im Raum Hof zurück, meldet die IHK für Oberfranken Bayreuth. Auch die Beschäftigtenentwicklung geht inzwischen gegen Null, im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Mitarbeiter um drei auf 16.374 zurück. "Auch wenn die Industrie zuletzt einen Umsatzrückgang verzeichnet, der Handel, aber auch die Dienstleistungen, die Gastronomie und der Bau befinden sich weiterhin in einem soliden Aufwärtstrend", fasst Dr. Heinrich Strunz zusammen, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Hof.
Von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 hatte sich die Wirtschaft im Raum Hof schnell erholt. Seit 2010 hat die Beschäftigtenzahl in der Industrie um 13,7 Prozent auf 16.374 zugelegt, der Umsatz in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten wuchs sogar um 17,5 Prozent auf 637 Millionen Euro im 2. Quartal 2019.
Vier Branchen sind oberfrankenweit vom aktuellen Umsatzrückgang besonders stark betroffen: Die Kfz-Zulieferer, die Textilindustrie – beides wichtige Arbeitgeber im Raum Hof - die Glas- und Keramikindustrie und die Polstermöbelhersteller. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Wirtschaftsraum Hof.
Von der Flaute in der Industrie ist der Landkreis Hof bisher stärker betroffen, als die Stadt. Während der Landkreis bei den Beschäftigten im 2. Quartal ein leichtes Minus von 0,3 Prozent verzeichnet, profitiert die Stadt von einem Beschäftigtenzuwachs von 1,2 Prozent. Ähnlich die Umsatzentwicklung: Einem Minus von 5,4 Prozent im Landkreis steht ein Minus von 1,0 Prozent in der Stadt gegenüber.
In beiden Teilregionen sank die Inlandsnachfrage stärker, als die Nachfrage aus dem Ausland. Dass die Inlandsnachfrage entgegen dem Deutschlandtrend stärker nachlässt, ist vor allem auf die Kfz-Zulieferer zurückzuführen, die in erster Linie deutsche Autohersteller beliefern.
Selbstzufriedenheit lähmt den Standort Deutschland
Donald Trump, China, der Handelskrieg USA-China, der Brexit – Gründe für die Schwächephase der deutschen Industrie gibt es viele. Strunz: "Dass der Exportweltmeister Deutschland von solchen globalen Störungen überdurchschnittlich betroffen ist, verwundert nicht wirklich."
Strunz stellt sich aber die Frage, ob es nicht auch noch weitere Gründe gibt. Er sieht in der Selbstzufriedenheit und Untätigkeit der Politik, aber auch von Konzernen einen weiteren wichtigen Grund. "Autohersteller etwa setzten spät auf neue Antriebsformen. Aber auch von der Politik vermisse ich zukunftsgerichtete Entscheidungen. Über Zukunftsfragen wird allenfalls geredet, aber nicht entschieden", macht der IHK-Vizepräsident klar. Ob beim Auto, bei der Energieversorgung, beim Klima oder bei der Digitalisierung, überall werden aktuell Chancen verpasst, wichtige Weichen zu stellen.
Optimismus für den Standort Hof
Strunz: "Wenn ich mir die Leistungs-, Innovations- und Anpassungsfähigkeit unserer heimischen Industrie anschaue, unserer Unternehmer und unserer Mitarbeiter, bin ich für die weitere mittel- und langfristige Entwicklung im Raum Hof zuversichtlich. Jetzt gilt es, die aktuelle Konjunkturschwäche der Industrie schnellstmöglich zu bewältigen."
Konjunktur habe viel mit Psychologie zu tun, sinniert Strunz. Die Ergebnisse der kommenden Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth, die im Oktober vorliegen, werden zeigen, wie die rund 600 teilnehmenden Unternehmer und Führungskräfte die verschiedenen Faktoren bewerten und die weitere Wirtschaftsentwicklung in der Region einschätzen.