25.09.2019

Bayreuther Industrie mit Umsatzrückgang

Innovationsfähigkeit der Unternehmen stärken

 

Der Wirtschaftsraum Bayreuth verzeichnete im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang in der Industrie um 1,9 Prozent, meldet die IHK für Oberfranken Bayreuth. Damit war der Umsatz bereits zum dritten Mal hintereinander rückläufig. "Negative Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen hat das aber bisher nicht", zeigt sich Jörg Lichtenegger, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, erleichtert. "Wie schon im ersten Quartal legt die Zahl der Industriebeschäftigten um weitere 3,6 Prozent zu." Einen ähnlich hohen Beschäftigtenzuwachs gab es zuletzt 2012.
"Seit zehn Jahren kennt die Bayreuther Wirtschaft nur eine Richtung: Aufwärts!", freut sich Lichtenegger. Die 950 Entlassungen durch die BAT-Verlagerung 2016 habe der Arbeitsmarkt am Standort Bayreuth inzwischen vergleichsweise gut verdaut. Lichtenegger: "Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen allerdings geändert. Ob der Bayreuther Arbeitsmarkt die weiteren 185 Entlassungen ebenso verkraftet, muss sich erst noch zeigen." Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 bis zum 2. Quartal 2019 stieg die Beschäftigtenzahl in der Region Bayreuth um 7,8 Prozent oder 786 auf 10.892.
Vier Branchen sind oberfrankenweit vom aktuellen Umsatzrückgang besonders stark betroffen: Die Kfz-Zulieferer, die Glas- und Keramikindustrie, sowie die Textilindustrie und die Polstermöbelhersteller. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Wirtschaftsraum Bayreuth.
Während die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten in der Stadt im zweiten Quartal bei den Beschäftigtenzahlen um 3,7 Prozent und beim Umsatz um 2,9 Prozent zulegten, verzeichnete der Landkreis bei den Beschäftigten zwar auch ein Plus von 3,5 Prozent, musste aber beim Umsatz einen Rückgang von 8,9 Prozent hinnehmen. Vom Rückgang war – entgegen dem Bundestrend – in erster Linie der Inlandsumsatz betroffen. Dies führt Lichtenegger darauf zurück, dass etwa die Kfz-Zulieferer vor allem deutsche Autohersteller beliefern, die ihrerseits die Pkw exportieren. So falle im Raum Bayreuth ein Minus beim Inlandsumsatz an. Standorte der Automobilhersteller, wie München, Ingolstadt oder Regensburg, müssen dagegen einen Exportrückgang verkraften.
Lichtenegger: "Entscheidend für den Wirtschaftsstandort Bayreuth wird es sein, ob die Situation in der Automobilindustrie auf einen konjunkturbedingten Nachfragerückgang etwa in China zurückzuführen ist, wovon sich die Branche wieder erholt, oder ob die ganze Branche vor einem tiefgreifenden Wandel steht."
Die Automobilindustrie muss aber nicht nur einen konjunkturbedingten Nachfragerückgang bewältigen, sondern auch einen Transformationsprozess. "Die Produktion fossil betriebener Motoren wird zurückgehen, neue Antriebsarten werden an Bedeutung gewinnen", so der IHK-Vizepräsident. "Ich bin optimistisch, dass sich für die Kfz-Zulieferer im Raum Bayreuth dadurch nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch neue Chancen ergeben. Dank hoher Investitionen in Zukunftstechnologien sehe ich die meisten Zulieferer bestens für die Zukunft gerüstet."
Innovationsfähigkeit der Unternehmen stärken
"Wenn ich mir das Portfolio der Bayreuther Industrie anschaue, ihre Innovationsfähigkeit und ihre Anpassungsfähigkeit, bin ich für die Zukunft trotz des schwierigen Marktumfeldes optimistisch", so Lichtenegger. "Dafür müssen aber auch weiterhin alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Ziel muss es sein, die Innovationsfähigkeit und -tätigkeit der Unternehmen zu stärken, etwa durch das geplante Regionale Innovationszentrum (RIZ) und damit der Stärkung des Wirtschaftsraumes Bayreuth."
Vom konjunkturbedingten Nachfragerückgang sei bisher ausschließlich die Industrie betroffen, so Lichtenegger. "Handel und vor allem Dienstleistungen, Baugewerbe und Tourismus profitieren weiter von der hohen Nachfrage."
Lichtenegger schließt nicht aus, dass die Umsatzzahlen des Vorjahres 2019 nicht erreicht werden. "Klarheit wird uns die nächste IHK-Konjunkturumfrage bringen, bei der über 600 Unternehmen ihre weitere Entwicklung einschätzen." Die Konjunkturergebnisse werden im Oktober vorgestellt.