26.08.2019

Konjunkturmotor kommt im Landkreis Wunsiedel ins Stottern

Landkreis Wunsiedel: Industrie steht vor neuen Herausforderungen


Einen Umsatzrückgang von 5,3 Prozent verzeichnet die Industrie im Landkreis Wunsiedel im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr, meldet die IHK für Oberfranken Bayreuth. "Dem Beschäftigtenzuwachs tut das bisher aber keinen Abbruch, im zweiten Quartal 2019 waren 3,6 Prozent mehr Menschen in der Industrie tätig, als im Vorjahr", betont Dr. Laura Krainz-Leupoldt, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des IHK-Gremiums Marktredwitz-Selb.
"Wir haben in der Region seit der Wirtschafts- und Finanzkrise vor zehn Jahren ein schier unglaubliches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen", so Krainz-Leupoldt. "Seit 2010 ist die Beschäftigtenzahl in der heimischen Industrie um 1.723 auf 9.869 gestiegen." Damit verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe mit 50 und mehr Beschäftigten im Landkreis Wunsiedel das stärkste Beschäftigtenwachstum in Oberfranken nach den Landkreisen Forchheim und Bamberg. Auch der Umsatzzuwachs mit 38,3 Prozent seit 2010 kann sich sehen lassen. Lediglich im Landkreis Forchheim und in der Stadt Bayreuth war der Zuwachs noch höher.
Vier Branchen sind oberfrankenweit vom aktuellen Umsatzrückgang besonders stark betroffen: Die Kfz-Zulieferer, die Glas- und Keramikindustrie - beides Branchen, die im Landkreis eine wichtige Rolle spielen - sowie die Textilindustrie und die Polstermöbelhersteller. Vor diesem Hintergrund hält sich die Industrie im Landkreis gut.
Inlandsnachfrage lässt spürbar nach
Im Gegensatz zur bundesweiten Entwicklung stagniert nicht der Export, sondern der Inlandsumsatz. Während der Auslandsumsatz im zweiten Quartal um 9,4 Prozent gestiegen ist, verzeichnet die Industrie im Landkreis beim Inlandsumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Minus von 13,8 Prozent. Krainz-Leupoldt: "Diese unterschiedliche Entwicklung ist leicht nachzuvollziehen, da die Kfz-Zulieferer der Region in erster Line die deutschen Pkw-Hersteller beliefern, die dann ihrerseits einen erheblichen Teil ihrer Fahrzeuge im Ausland verkaufen."
Flaute bei den Automobilherstellern wirkt sich im Landkreis Wunsiedel aus
Der Absatzrückgang der deutschen Automobilhersteller schlägt sich letztendlich spürbar bei den Kfz-Zulieferern nieder, die als Arbeitgeber eine wichtige Rolle vor Ort spielen. Einige Unternehmen fangen den Auftragsrückgang inzwischen mit Kurzarbeit ab und versuchen so, ihre Fachkräfte zu halten. Krainz-Leupoldt: "Kurzarbeit ist ja immer mit der Hoffnung verbunden, dass sich die Entwicklung zeitnah wieder stabilisiert."
Dass auch die Keramikhersteller vom aktuellen Umsatzrückgang betroffen sind, ist zum einen auf die Entwicklung im Porzellansektor zurückzuführen, andererseits aber ebenfalls auf die Entwicklung im Automobilsektor. Kunden aus dem Automotive-Bereich spielen auch für diese Branche längst eine wichtige Rolle.
Gründe für den Umsatzrückgang gebe es viele, so die IHK-Vizepräsidentin und nennt die Konjunkturabkühlung in China und den USA, den Handelsstreit der beiden Länder, den drohenden ungeregelten Brexit oder den Abwertungswettkampf der Währungen.
Konjunktur ist vor allem Psychologie
"Konjunktur ist gerade in dieser Phase der wirtschaftlichen Entwicklung vor allem Psychologie", unterstreicht Krainz-Leupoldt. "Dass sich Unternehmer bei so vielen negativen Nachrichten zurückhalten, was Neuinvestitionen angeht, ist nicht wirklich überraschend, zumal auch die Kauflaune der Endverbraucher zunehmend nachlässt." Deshalb sei eine Einschätzung der weiteren Entwicklung im Moment auch extrem schwierig. Krainz-Leupoldt: "Etwas Klarheit, wie sich unsere Wirtschaft in den kommenden zwölf Monaten entwickelt, wird uns die nächste IHK-Konjunkturumfrage bringen, die im Oktober vorgestellt wird."