28.08.2019

Forchheimer Industrie trotzt deutscher Konjunkturentwicklung

Positive Entwicklung im zweiten Quartal 2019

 

Während die deutsche Industrie – vor allem wegen rückläufiger Exporte etwa der Automobilhersteller – bei der Umsatzentwicklung ins Minus rutscht, steht die Industrie im Landkreis Forchheim aktuell noch sehr gut da. Im zweiten Quartal 2019 lag das Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr bei 10,5 Prozent, die Beschäftigtenzahl nahm um 5,5 Prozent zu, wie die IHK für Oberfranken Bayreuth meldet. Dr. Michael Waasner, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim, zeigt sich von diesen Daten positiv überrascht, weiß er doch, dass sich viele heimische Kfz-Zulieferer längst mit Umsatzrückgängen konfrontiert sehen.
Von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 hatte sich die Wirtschaft im Landkreis Forchheim schnell erholt. Seit 2010 hat die Beschäftigtenzahl in Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten um zwei Drittel auf 9.165 zugelegt, der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum sogar um 84,6 Prozent auf 479,9 Millionen Euro im zweiten Quartal 2019. Dies sei nicht zuletzt auf die Investitionen und die Expansion von Siemens und Healthineers zurückzuführen. Waasner: "Diese für Forchheim sehr positive Entwicklung überlagert die Entwicklung in anderen Teilbereichen der Industrie."
Vier Branchen sind oberfrankenweit vom aktuellen Umsatzrückgang in der Industrie besonders stark betroffen: Die Kfz-Zulieferer – ein wichtiger Arbeitgeber im Raum Forchheim -, außerdem die Textilindustrie, die Glas- und Keramikindustrie sowie die Polstermöbelhersteller.
Erste Bremsspuren bei Automobilzulieferern
Waasner: "Die Situation der deutschen Automobilhersteller bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Automobilzulieferer bei uns vor Ort. Erste Bremsspuren bei den Lieferanten sind bereits sichtbar, etwa in Form von Kurzarbeit, mit denen auf Umsatzrückgänge reagiert wird." Entlassungen seien für die meisten Zulieferer aktuell keine Option. "Fachkräfte sind knapp, wenn irgendwie möglich, sollen sie gehalten werden", so Waasner.
Trump, China, Brexit oder doch etwas ganz anderes?
"Ursachen für den Nachfragerückgang im Automobilsektor gibt es viele. Die weltweiten handelspolitischen Rahmenbedingungen spielen zweifellos eine wichtige Rolle. Ein exportorientierter Wirtschaftsraum wie Deutschland merkt das stärker als andere Standorte", fasst Waasner zusammen. "Die aktuelle Situation aber ausschließlich auf Trump, China oder den Brexit zu schieben, wäre zu einfach." Aus Waasners Sicht habe zuletzt auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland nachgelassen. Er kritisiert die Selbstzufriedenheit der deutschen Politik nach zehn Jahren Aufschwung, die davon ausgeht, dass die Wirtschaft weiter Jahr für Jahr wachse. "Mir fehlt hier ein Plan B, ein Plan für den Fall, dass die Wirtschaft nicht mehr wächst. Über Zukunftsfragen wird in der Politik allenfalls geredet, zukunftsweisende Entscheidungen fallen keine."
Optimismus für den Standort Forchheim
Die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Forchheim beurteilt Waasner positiv, auch wenn aktuell verschiedene Industriebranchen unter Druck geraten sind. Die nächste IHK-Konjunkturbefragung wird im Oktober veröffentlicht. Dort werden die Unternehmen wieder nach ihren Erwartungen gefragt. Dr. Waasner: "Aufgrund der aktuellen konjunkturellen Entwicklung erwarte ich die Ergebnisse mit Spannung."