28.01.2020

Unternehmensnachfolge immer größere Herausforderung

IHK für Oberfranken Bayreuth: 851 erfolgreiche Unternehmensübergaben begleitet
851 Unternehmensübergaben hat die IHK für Oberfranken Bayreuth in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich begleitet, Tendenz steigend. Da sich immer weniger Menschen selbstständig machen wollen, wird die Unternehmensübergabe für die Altunternehmer immer mehr zur Herausforderung. In mindestens 1.000 oberfränkischen Unternehmen steht in den nächsten fünf Jahren die Unternehmensnachfolge an.
Der aktuelle Nachfolgereport der deutschen Industrie- und Handelskammern zeigt es deutlich: Die Zahl der Rat suchenden Alt-Inhaber ist auf einem Rekordhoch. "Auf der einen Seite machen sich immer weniger Menschen selbstständig, auf der anderen Seite kommen immer mehr Unternehmer in ein Alter, wo sie an eine Unternehmensübergabe denken, denken müssen. Auch hier bekommen wir den demografischen Wandel zu spüren", so Dr. Wolfgang Bühlmeyer, Bereichsleiter Innovation und Unternehmensförderung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. "Trotzdem ist die Zahl der erfolgreichen Unternehmensübergaben, die wir als IHK betreut haben, in den vergangenen Jahren spürbar angestiegen", ergänzt Klemens Jakob, der bei der IHK das Thema "Unternehmensnachfolge" betreut.
Unternehmensnachfolge immer größere Herausforderung
Demografie und Fachkräftemangel stellen den Mittelstand vor große Herausforderungen. Das gilt vor allem auch für die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst. So viele Unternehmer wie nie berichten den Industrie- und Handelskammern von Schwierigkeiten bei der Nachfolgesuche. Dabei zeigt das intensive Engagement der IHKs durchaus Erfolg. So auch der Nachfolgerclub, ein Alleinstellungsmerkmal der IHK für Oberfranken Bayreuth. Konnten über den Nachfolgerclub 2009 elf Unternehmen erfolgreich übergeben werden, waren es 2019 bereits 135. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren 851 Unternehmen mit rund 10.000 Mitarbeitern bei der Übergabe beraten und betreut.
237 der Übergaben erfolgten im Handel, 200 im Bereich Hotel und Gastronomie, 196 im Dienstleistungssektor, 188 in der Industrie und 30 im Logistikbereich. Knapp 60 Prozent der Nachfolger kamen aus dem eigenen Unternehmen, aber nicht der eigenen Familie ("Management buy in").
Unternehmensnachfolge muss einfacher werden
Wirtschaft und Politik sind aufgerufen, dem schwindenden Interesse am Unternehmertum gegenzusteuern und die Unternehmensnachfolge zu unterstützen. Die Bundesregierung will mit einem neuen Programm die vielfältigen Vor-Ort-Initiativen unterstützen, was die IHK sehr begrüßt. Vor allem muss die Unternehmensnachfolge allerdings einfacher werden und deutlich schneller möglich sein.
Größte Herausforderung sei es natürlich, den passenden Nachfolger oder die passende Nachfolgerin zu finden. Aber auch die Politik kann die Unternehmensnachfolge spürbar erleichtern, so Bühlmeyer. So müsse die Erbschaftssteuer endlich berechenbar gemacht werden. "Die Unsicherheiten bei der Anwendung des neuen Erbschaftssteuergesetzes bleiben für viele mittelständische Unternehmen ein Ärgernis." Aber auch die bürokratischen Hemmnisse bleiben eine Herausforderung. 57 Prozent der unternehmerisch Interessierten, die sich in Deutschland von einer IHK beraten lassen, sehen Bürokratie als größtes Hindernis.